Andachten Und sie trafen sich in den Häusern ...
Und sie trafen sich in den Häusern ... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benjamin Bürger   
Donnerstag, den 30. April 2009 um 12:27 Uhr

Die erste christliche Gemeinde in der Apostelgeschichte und im Rest des Neuen Testamentes traf sich vor allem in Wohnhäusern und nicht in besonderen Kirchengebäuden. In diesem Rahmen fand Gebet, Lobpreis, Abendmahl, Gemeinschaft und gemeinsame Essen statt. Jemand sagte einmal über die erste Gemeinde, "dass die Religion sich von den heiligen Orten lösten und am allgemeinen Wohnort ihr Zentrum fand, in den Häusern der Gläubigen". Erst ab den 3. Jahrhundert nach Christus setzen sich nach und nach Gemeindehäuser durch.

Nach Apostelgeschichte 2,42-47 kann man dabei die Gemeinschaft, die die Gläubigen miteinander hatten, in drei Arten unterteilen:

  1. "Geistliche" Gemeinschaft: Aus den Versen geht hervor, dass sie festhielten an der Lehre der Apostel, am Gebet, am Brechen des Brotes (=Abendmahl) und dass sie Gott gemeinsam priesen (=Lobpreis). Aus Apostelgeschichte 20,7 erfahren wir dabei, dass es Praxis in der ersten Christenheit war, das Brot am ersten Tag der Woche zu brechen.

  2. "Persönliche" Gemeinschaft: Dann erfahren wir aus dem Textabschnitt, dass sie alle zusammen hielten, sich unter der Woche in der Häusern trafen und in ungetrübter Freude zusammen aßen und tranken.

  3. "Soziale" Gemeinschaft: Und sie hatten eine soziale Gemeinschaft untereinander, das heißt, dass sie miteinander teilten und je nach Notwendigkeit materielle Hilfe gegenseitig anboten. (Es braucht nicht betont zu werden, dass hier kein christlicher Kommunismus vorliegt, sondern alles in Freiwilligkeit und aus Nächstenliebe geschah.)

Gleichzeitig war in der frühen Gemeinde eine starke Orientierung nach außen vorhanden - zu den Menschen, die Gott nicht kennen. Der Vorteil davon - dass die erste Gemeinde sich vor allem in Häusern traf - liegt auch in dieser Hinsicht auf der Hand: sie waren dadurch bereits inmitten der Gesellschaft, nahe bei den Menschen, wohin sie Jesus schließlich gesendet hatte. Sie musste sich nicht sonderlich bemühen, nahe bei den Menschen zu sein: sie waren es schon. Viele Christen erwarten aber, dass die Menschen zu uns kommen, zu uns in die Kirche, weit weg von ihrer Sprache, von ihrer Musik und ihrer Kultur. In einer Predigt, die ich in der VM Schwäbisch Hall gehalten habe, fragte ich deshalb: "Mal im ernst. Wer von uns würde das eigentlich tun? Unter normalen Umständen wohl kaum einer!"

Für Nicht-Christen ist die Schwelle, ein Gemeindehaus zu betreten, unheimlich hoch. Aber nach Hause lassen sie viele gerne einladen. Es liegt an den Gläubigen (= wiedergeborene Christen), Kontakte zu den Menschen in ihrer jeweiligen Lebenswelt zu knüpfen und zu pflegen: zu den Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten. Die erste Gemeinde war nahe bei den Menschen. Ihre evangelistischen Bemühungen (= "Dienst der Versöhnung") waren von einer 'Geh'- statt 'Komm'-Struktur geprägt. Und das Resultat war, dass "der Herr ihrem Kreis täglich hinzutat, die gerettet werden sollten" (Apostelgeschichte 2,47).

Jeder ist herzlich dazu eingeladen, sich einer christlichen Gemeinschaft (z.B. Hauskreis) anzuschließen, um dort geistliche, persönliche und soziale Gemeinschaft zu erfahren. Nimmt man sich Apostelgeschichte 2,42-47 zum persönlichen Vorbild, glaube ich, wird man sich geistlich (= in der Beziehung Gott) viel stärker entwickeln und die Gemeinde ihren Auftrag - den "Dienst der Versöhnung" (zwischen Gott und den Menschen) -, den sie von Jesus erhalten hat, viel natürlicher erfüllen können.